ZZ Top in Northeim: 17 Songs, kein „Tush“ – und Frank Beard fehlt weiter

ZZ Top Live 2026
Foto: Lars Peters / Music-Pics.de

ZZ Top Live 2026 – das hieß am Samstagabend auf der Waldbühne Northeim: drei Mann, 17 Songs und ein Amphitheater, das seit Mitte Mai als ausverkauft gemeldet war. Am 4. Juli machten die Texaner am Gesundbrunnen Station, bei der dritten von vier Deutschland-Shows ihrer Europatournee „The Big One“. Veranstaltet wurde der Abend von Living Concerts.

Für die Band war es zugleich die Premiere auf der Northeimer Waldbühne. Häufig treten die Texaner hierzulande ohnehin nicht auf: 2024 gab es eine Handvoll Termine, davor mied die Band Deutschland fünf Jahre lang. Entsprechend schnell waren die Karten weg, schon Wochen vor dem Konzert gab es nichts mehr zu holen.

Die laufende Tournee umfasst 23 Shows in 13 Ländern, gespielt in gerade einmal fünf Wochen. Nach dem Auftakt im Hamburger Stadtpark und einem Stopp in Friedberg war Northeim die dritte deutsche Station, am 13. Juli folgt mit Regensburg die letzte. Den Abend eröffneten The Howlers, die ab kurz vor 19 Uhr eine gute halbe Stunde als Support spielten, ehe um 20 Uhr die Hauptband übernahm.

ZZ Top Live 2026: John Douglas sitzt am Schlagzeug

Auf der Bühne standen Billy Gibbons (76) an Gitarre und Mikrofon sowie Elwood Francis (65). Einst Gitarrentechniker der Gruppe, übernahm er den Bass nach dem Tod von Dusty Hill im Jahr 2021 – auf dessen ausdrücklichen Wunsch. Frank Beard (77), seit 1969 der Mann am Schlagzeug, fehlte dagegen erneut. Er setzt aus gesundheitlichen Gründen aus, Details nennt das Umfeld der Band nicht.

Stattdessen saß John Douglas hinter den Trommeln, langjähriger Drum-Techniker der Gruppe und selbst Texaner. Douglas kennt die Aufgabe: 2002 sprang er in Paris kurzfristig für Beard ein, als der sich einer Blinddarm-Operation unterziehen musste. 2025 vertrat er Beard bereits von Mitte März bis Ende Mai auf der „Elevation“-Tour, damals plagten den Kollegen Probleme an Fuß und Sprunggelenk.

Zwischen den zwei Rauschebärten wirkt Douglas beinahe glatt rasiert. Am typischen Klang des Trios ändert das nichts, der Mann fügt sich ohne Reibungsverluste ein. Wer ZZ Top Live 2026 erlebt, bekommt also weiterhin die Besetzung Gibbons, Francis und Douglas – so läuft es bereits seit der US-Etappe im Frühjahr.

Setlist: ZZ Top Live 2026 zwischen 1971 und La Futura

Los ging es mit „Got Me Under Pressure“, gefolgt von „I Thank You“ und dem Tres-Hombres-Doppel aus „Waitin‘ for the Bus“ und „Jesus Just Left Chicago“. „Gimme All Your Lovin'“ stand schon an fünfter Stelle. Danach arbeitete sich das Trio durch „Pearl Necklace“, „I’m Bad, I’m Nationwide“ und „I Gotsta Get Paid“.

Mit „My Head’s in Mississippi“, „Brown Paper Bag“, „Cheap Sunglasses“ und „Just Got Paid“ ging es weiter, ehe „Sharp Dressed Man“ und „Legs“ den Hauptteil abschlossen. Als Zugaben folgten „Brown Sugar“, „Thunderbird“ und „La Grange“. Nach rund 75 Minuten Spielzeit war kurz nach 21 Uhr Feierabend.

Die Spannweite von ZZ Top Live 2026 reichte damit von „Brown Sugar“ aus dem Debüt „ZZ Top’s First Album“ von 1971 bis hinüber zu „I Gotsta Get Paid“, der einzigen Nummer vom 2012er Studioalbum „La Futura“. Dazwischen liegen 41 Jahre Bandgeschichte und Material aus insgesamt neun Alben. Den größten Block stellte „Eliminator“ von 1983, das mit vier Titeln vertreten war und in den USA für mehr als zehn Millionen verkaufte Exemplare Diamant-Status erreichte. „Tres Hombres“ von 1973 war mit insgesamt drei Stücken vertreten, „La Grange“ eingerechnet.

Eine Kuriosität steckte in der Mitte des Sets: „Brown Paper Bag“ ist eine aktuelle Solo-Single von Gibbons, eingespielt mit Country-Star Keith Urban. Auffälligste Lücke bei ZZ Top Live 2026 war dagegen „Tush“ – der Dauerbrenner fehlte komplett. Den Schlusspunkt setzte stattdessen „La Grange“, der Boogie über das Bordell in Texas.

Billy Gibbons: wenig Worte, viel Gitarre

Große Ansagen sind von dieser Band nicht zu erwarten, auch auf dieser Tour nicht. Beim Auftakt zwei Tage zuvor im ebenfalls ausverkauften Hamburger Stadtpark beschränkte sich Gibbons zwischen den Songs auf die knappe Frage, ob alle eine gute Zeit hätten, und den trockenen Hinweis, man sei den weiten Weg aus Texas gekommen. Ansonsten ließ er lieber Gesten sprechen und das Publikum bekannte Riffs nachsingen.

In Hamburg drehte er zudem seine Gitarre um und präsentierte deren Rückseite, auf der in großen Buchstaben „bier“ stand. Mehr Kommunikation braucht dieses Trio nicht. Einen Werbedeal über das Abrasieren der Bärte lehnte die Band einst trotz Millionenangebot ab. Das Magazin „Rolling Stone“ führt Gibbons in seiner Bestenliste der Gitarristen auf Rang 32, und genau dieses Instrument erledigt bei ihm das Reden.

Musikalisch bleibt es beim bewährten Rezept: synchrone Schrittfolgen der beiden Frontleute, fliegende Wechsel zwischen den Instrumenten, null Hektik. Seit der Gründung 1969 in Houston kommt das Trio auf einen Albumabsatz jenseits der 60-Millionen-Marke, 2004 folgte die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame durch Keith Richards. Daran hat sich auch mit 76, 77 und 65 Jahren nichts geändert.

Vor dem Start der Europatournee hatte Gibbons erklärt, das Publikum auf diesem Kontinent gehöre für ihn seit einem halben Jahrhundert zu den leidenschaftlichsten überhaupt. „Am Ende sprechen wir alle dieselbe Sprache: Rock’n’Roll“, sagte der Gitarrist damals. Sprachbarrieren gebe es ohnehin keine. ZZ Top Live 2026 klingt exakt danach.

Bleibt die Einordnung: 17 Songs in 75 Minuten sind kein üppiges, aber ein kompaktes Programm ohne Leerlauf. Die Songauswahl deckt alle Phasen ab, die Personalfrage ist mit Douglas solide gelöst, und Gibbons bleibt der Fixpunkt des Abends. So bekam Northeim von ZZ Top Live 2026 eine straff gespielte Werkschau aus fünf Jahrzehnten, deren Karten schon Wochen im Voraus vergriffen waren. Auch ohne Frank Beard klang ZZ Top Live 2026 am Samstag nach purem Texas-Blues-Rock.



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