Marillion Live in Hannover mit starker Sommershow

Marillion Live in Hannover

Marillion live in Hannover heißt an diesem Samstag: zwei Stunden und fünf Minuten Progressive Rock am Stück, ohne Support und ohne Pause zum Verschnaufen. Am 11. Juli 2026 gastiert die Tour Live 2026 auf der Gilde Parkbühne, es ist die sechste von acht Deutschlandshows dieses Sommers. Zuvor haben die Briten bereits in Rastatt, Bonn, Frankfurt, Hamburg und Nürnberg gespielt. Nach mehr als zehn Jahren führt sie erstmals wieder eine Tour zurück nach Deutschland.

Die Bilanz der Band verdient Respekt: 47 Jahre, 20 Studioalben, seit 1989 keine Wechsel im Line-up. Steve Hogarth singt, Steve Rothery spielt Gitarre, Mark Kelly bedient die Keyboards, Pete Trewavas den Bass, Ian Mosley das Schlagzeug. Zuletzt erschien 2024 der Konzertmitschnitt An Hour Before It’s Dark: Live in Port Zelande 2023. So bündelt Marillion live in Hannover fünf Jahrzehnte Arbeit in einem einzigen Abend.

Der wichtigste Einschnitt liegt lange zurück. 1988 kehrte Sänger Fish der Band den Rücken, ein Jahr später stieg Steve Hogarth ein. Aus der Fish-Zeit stammt der größte Charterfolg, die Single Kayleigh aus dem 1985er Album Misplaced Childhood. Unter Hogarth rückte der Sound Schritt für Schritt Richtung atmosphärischer Art-Rock.

Marillion Live in Hannover: Start ohne Vorband

Eine Vorband gibt es nicht, den kompletten Abend bestreitet die Gruppe allein. Das passt zum Ruf einer Gruppe, die ihre Konzerte gern in die Länge zieht und jede Minute mit eigenem Material füllt. Kurz vor halb neun geht es los.

Marillion Live in Hannover

Hogarth ist ein Sänger, der ein Publikum von der ersten Minute an führt. Er wirkt hellwach, spielt mit der Menge und bringt spürbar Energie mit. Man merkt ihm an, dass ihm der Job nach all den Jahren noch Spaß macht.

Zum Opener trägt er eine Sonnenbrille, die er nach dem ersten Song wieder abnimmt. Erst wenn das zweite Stück verklungen ist, sucht er den Kontakt zum Publikum, ein paar Sätze davon auf Deutsch, was die Stimmung auflockert. Von da an reißt der Beifall bei Marillion live in Hannover über die gut zwei Stunden nicht mehr ab.

Hogarths Stimme sitzt auch im 37. Jahr mit der Band absolut sicher. Seit Jahresbeginn arbeitet die Gruppe im Studio an einem neuen Album, das ihr laut Hogarth von Mal zu Mal schwerer fällt.

Die Texte handeln vom Leben, vom Sterben und den Fragen dahinter. Das ist schwerer Stoff, und die Band steht dazu. Zum Feiern kommt hier niemand, und genau deshalb passt das Publikum so gut zur Musik.

Rotherys Gitarre bestimmt den Abend

Steve Rothery bekommt den meisten Raum. Seine Soli auf der Stratocaster entwickeln sich langsam, dehnen sich weit aus und treffen dabei jeden Ton. Im Ton klingt die Nähe zu David Gilmour durch, jede Phrase hat Gewicht.

Das Herz der Show sind die langen Instrumentalteile, in denen besonders Rothery und Kelly nach vorne rücken. Kelly legt mit den Keyboards die weiten Flächen, über die sich die Gitarre bewegt. Für diese Tour hat sich die Stammbesetzung überraschend Verstärkung geholt: Der britische Session-Perkussionist Andy Gangadeen, ein im Live- und Studiobetrieb gefragter Mann, sitzt als sechster Musiker an der Elektronik-Perkussion und gibt dem Sound zusätzliche Tiefe. So tragen sich die Passagen bei Marillion live in Hannover über weite Strecken von selbst.

Der Sound zählt zu den echten Stärken des Abends. Selbst im Freien bleibt jedes Instrument klar herauszuhören, von den Keyboardflächen hinunter bis zum Bass.

Marillion Live in Hannover: Ribbons and Lace vorgestellt

Ein Höhepunkt ist Ribbons and Lace, ein bislang unveröffentlichtes Stück, das laut Hogarth kurz vor dem Abschluss steht. Es gehört zum kommenden Studioalbum, das für das Frühjahr 2027 geplant ist. Dass eine Band im 47. Jahr überhaupt noch frisches Material präsentiert, ist keine Selbstverständlichkeit.

Der Rest der Setlist streift quer durch die Jahrzehnte. Aus dem Album Afraid of Sunlight von 1995 kommt der Titelsong, dazu ältere und jüngere Nummern. Damit spannt Marillion live in Hannover einen weiten Bogen durch die eigene Geschichte.

Aus der Fish-Zeit spielt die Band seit Langem nur noch eine Handvoll Stücke. Vermisst wird trotzdem nichts, auch wenn die wenigen frühen Titel den lautesten Jubel bekommen.

Auch Kayleigh bleibt diesmal außen vor. Ein Abschied vom größten Hit ist das aber nicht. Der Song zählt bis heute zu den drei meistgespielten Stücken der Band und taucht bei ausgewählten Anlässen weiter auf, zuletzt im März auf der Cruise to the Edge.

Rund 2.000 Fans auf der Parkbühne

Auf der Wiese versammeln sich an diesem Samstag rund 2.000 Leute, ausverkauft ist die Parkbühne damit nicht. Das Publikum reicht von Fans der ersten Stunde bis zu spürbar jüngeren Gesichtern, viele im Marillion-Shirt. Getanzt wird kaum, dafür hören die meisten aufmerksam zu, und einzelne Zeilen werden lautstark mitgesungen.

Die Wurzeln dieser Musik reichen zurück zum Genesis der frühen Siebziger, aus dem Marillion einen eigenen, stabilen Sound geformt haben. So wird Marillion live in Hannover auch zu einem Abend, an dem sich verschiedene Generationen im selben Publikum treffen.

The Great Escape zum Finale

Gegen Ende zündet mit The Great Escape einer der großen Publikumslieblinge des Abends. Kurz darauf ist Schluss, die Band geht unter viel Applaus, und die gut zwei Stunden vergehen dabei erstaunlich schnell. Was bleibt, ist ein Auftritt, der ohne Show-Effekte auskommt und trotzdem trägt.

Marillion live in Hannover zeigt eine Band, die genau weiß, was sie kann, und die neues Material und alte Stärken souverän zusammenbringt. Die Gelegenheit, die Band in Deutschland zu sehen, ist selten geworden. Die Tour Live 2026 geht weiter, am Dienstag, 14. Juli, ins Tempodrom nach Berlin und am Mittwoch, 15. Juli, ins Haus Auensee nach Leipzig, das die Deutschlandtour beschließt. Tickets sind unter www.eventim.de erhältlich.



Marillion auf "Live Tour 2026" in der Gilde Parkbühne Hannover am 11.07.2026

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