Iron Maiden und Megadeth in Hannover haben der Heinz von Heiden Arena einen Abend eingeschrieben, der in der Konzertgeschichte der niedersächsischen Landeshauptstadt einen eigenen Platz einnimmt. Rund 45.000 Besucher füllten das restlos ausverkaufte Stadion und erlebten ein Programm, das zwei Bands an fundamental verschiedenen Punkten ihrer Geschichte zeigte: Iron Maiden, die im Jahr ihres 50-jährigen Bestehens Touren und dabei bewusst zurückblicken, und Megadeth, die mit ihrer „The Farewell Tour“ die letzten Kapitel einer vier Jahrzehnte langen Karriere schreiben.

Dass dieser Abend zugleich die einzige Headline-Show von Iron Maiden auf deutschem Boden in diesem Jahr darstellte, verlieh ihm zusätzliches Gewicht – eine Konstellation, die sich so kein zweites Mal ergibt. Beide Bands lieferten, was man von ihnen erwarten durfte – und Iron Maiden darüber hinaus einen Moment, mit dem niemand gerechnet hatte.

Der Abend begann mit einem Hannover, das für Iron Maiden und Megadeth in Hannover aus allen Teilen Deutschlands und weit darüber hinaus zusammengekommen war. Kutten, Banner und das ikonische Eddie-Motiv in diversen Ausführungen prägten das Bild bereits am späten Vormittag in der Innenstadt und seinen Bars sowie Nachmittags rund um das Stadion und sagten vor dem ersten Ton bereits, welcher Abend hier bevorstand.

Megadeth eröffnen den Abend in Hannover

Iron Maiden und Megadeth in Hannover: Dave Mustaine

Für Megadeth ist 2026 das Jahr des Abschieds – und dieser Abschied kommt mit dem Gewicht einer Band, die sich ein letztes Mal auf dem Höhepunkt ihrer Möglichkeiten zeigt. Mustaine und seine Band hatten mit ihrem gleichnamigen Abschlussalbum „Megadeth“ die Spitze der deutschen Albumcharts erreicht – ein Nummer-Eins-Album zum Karriereende ist kein kleines Detail, sondern Beleg dafür, dass diese Band 2026 gefragter als in den Jahren zuvor ist.

Seit 1983 aktiv, mehr als 50 Millionen Alben verkauft, einen Grammy gewonnen und mit Werken wie „Rust in Peace“ und „Countdown to Extinction“ Maßstäbe im Thrash Metal gesetzt, die bis heute gelten. In Hannover war keine normale Vorgruppe zu erleben, sondern eine der einflussreichsten Metal-Bands der Geschichte bei einem ihrer letzten großen Abende.

Megadeth spielten ein kurzes, aber verdammt starkes Set und brachten die Menge vom ersten bis zum letzten Song auf Betriebstemperatur. Mit „Tipping Point“ eröffneten sie ohne Anlaufzeit, ehe „Hangar 18″ die Heinz von Heiden Arena das erste Mal in dieser Nacht laut werden ließ. „Take No Prisoners“ und „Let There Be Shred“ standen als Tour-Debüts auf dem Programm. Mustaines Gitarrenspiel war präzise und druckvoll, seine Bühnenpräsenz hatte das Gewicht eines Musikers, der weiß, dass diese Momente endlich sind und zählen. Die Band agierte kompakt und eng zusammen, ohne eine Sekunde Anlaufzeit oder Leerlauf.

Den emotional stärksten Moment des Sets lieferte „Ride the Lightning“. Mustaine war an der Komposition dieses Metallica-Klassikers ursprünglich beteiligt gewesen, bevor sein Weg ihn zu Megadeth führte. Auf der Abschiedstournee ist die Entscheidung, diesen Song zu spielen, kein Gestus der Abrechnung, sondern ein Tribut an den Beginn der eigenen musikalischen Reise – eine Reflexion über Ursprünge, die ihn zu dem Musiker formten, der er wurde.

In Hannover wurde dieser Moment frenetisch bejubelt, und er verdiente es. Mit „Washington Is Next!“ folgte ein weiteres Tour-Debüt, ehe „Tornado of Souls“ und „Symphony of Destruction“ die Energie weiter trugen. Den Abschluss bildeten „Peace Sells“ und „Holy Wars…The Punishment Due“ – Megadeth verließen die Bühne in Hannover als Band, die ihren Abschied auf eigenen Bedingungen gestaltet.


Iron Maiden: Die Legenden betreten die Bühne

Iron Maiden und Megadeth in Hannover: Die Fans: Bruce Dickinson

Wer Iron Maiden über die vielen Jahre aktiv begleitet und vor allem live erleben konnte, hat spätestens an diesem Abend gemerkt, welche Wucht diese Band in dieser Größenordnung in einem ausverkauften Stadion entfacht. Allein Hannover ist dafür ein absoluter Beweis: In den frühen achtziger Jahren spielten Iron Maiden noch in der Niedersachsenhalle und der Eilenriedehalle, in den Neunzigern folgte die legendäre Music Hall. In den Abwesenheitsjahren von Bruce Dickinson fanden sich die Fans im Capitol ein, nach seiner Rückkehr führte der Weg über die Expo Plaza und die ZAG Arena bis zum aktuellen Höhepunkt im ehemaligen Niedersachsenstadion.

Nun zelebrierten Iron Maiden ihre Show also in der Heinz von Heiden Arena – und die Fans genossen diesen Abend mit den Hymnen der Band lautstark, während Iron Maiden ihn als Triumphzug feierten, der die gesamte Entwicklung dieser Band auf einer einzigen Bühne sichtbar machte.

Als Iron Maiden die Bühne betraten, war das Stadion bereits auf einem Energieniveau, das Vorgruppen nur selten herstellen. Das Intro von „Doctor Doctor“ und „The Ides of March“ leiteten ein, ehe „Murders in the Rue Morgue“ mit vollem Druck losbrach. Die Setlist der „Run For Your Lives World Tour“ ist konsequent auf die ersten neun Studioalben ausgerichtet – ein Entschluss, der dieser Band und ihrem Jubiläum gut steht. Bruce Dickinson – rastlos, am gesamten Bühnenrand präsent – führte durch das Set mit der Sicherheit eines Sängers, dem seine Rolle seit Jahrzehnten keine Mühe mehr kostet.

Simon Dawson, Nachfolger von Nicko McBrain am Schlagzeug, fügte sich nahtlos ein und ließ kaum Raum für Vergleiche. „Wrathchild“, „Killers“ und „Phantom of the Opera“ folgten aufeinander, bevor „The Number of the Beast“ die 45.000 in ein Meer aus Fäusten verwandelte. Dave Murray, Adrian Smith und Janick Gers teilten die Gitarrenarbeit mit der Selbstverständlichkeit einer Formation, die ihren Sound über Jahrzehnte gefestigt hat. Die Iron Maiden Show in Hannover war auch visuell – riesige Videowände, aufwendige Bühnenbilder, Eddie in mehreren Erscheinungsformen – ein Abend, der den Maßstäben eines vollbesetzten Stadions gerecht wurde.

Der Abend, den niemand erwartete

Fünf Songs ins Set hielt Bruce Dickinson inne und wandte sich an das Publikum. Was dann folgte, traf das Stadion mit der Kraft eines Details, auf das niemand vorbereitet war: „Infinite Dreams“ – ein Stück vom Album „Seventh Son of a Seventh Son“ von 1988, das seit jenem Jahr nicht mehr live gespielt worden war. 38 Jahre. Die kollektive Reaktion der 45.000 war jener seltene Moment, in dem ein Konzert aufhört, ein Konzert zu sein. Das Stück wurde von der Menge aufgenommen, als hätte man jahrelang genau darauf gewartet – melodisch, getragen, von einer Intensität, die nichts mit typischem Stadionmetal zu tun hat.

„Powerslave“ und „2 Minutes to Midnight“ folgten mit dem nötigen Gewicht, bevor „Rime of the Ancient Mariner“ in voller Länge den Abend in eine ruhigere, aber nicht weniger intensive Phase führte. „Run to the Hills“, „The Trooper“ und „Hallowed Be Thy Name“ brachten den Hauptteil zum Abschluss. Die Zugaben lieferten „Aces High“, „Fear of the Dark“ und „Wasted Years“ – rund zwei Stunden Musik, ohne Füllmaterial, ohne schwache Passagen, mit einem Repertoire, das keine Lücken hat. Als gegen Ende Regen einsetzte, fand Dickinson die passende Antwort: „Fuck the rain!“ Die 45.000 sahen das genauso.

Iron Maiden und Megadeth in Hannover: Einzige Headline-Show, zwei (vorerst) letzte Tourneen

Iron Maiden und Megadeth in Hannover: Die Fans

Das Konzert von Iron Maiden stand als einzige Headline-Show der Briten auf deutschem Boden in diesem Jahr. Die verbleibenden deutschen Auftritte beschränken sich auf Festivalshows bei Rock am Ring und Rock im Park – ohne Megadeth, ohne die Tiefe eines eigenständigen Stadionabends in dieser Konstellation. Wann bekommt man zwei Bands dieser Größenordnung an einem Abend, beide am Ende großer Kapitel ihrer Geschichte? Nach Abschluss der Tournee haben Bruce Dickinson und Iron Maiden eine längere Schaffenspause angekündigt und wollen vorerst keine weiteren Live-Shows spielen. Megadeth verabschieden sich nach ihrer „The Farewell Tour“ endgültig von der Bühne.

Die Heinz von Heiden Arena in Hannover hat an diesem Abend das gehalten, was ein Konzert dieser Art braucht: Raum, eine Menge, die den Unterschied kennt, und zwei Bands, die diesen Unterschied seit Jahrzehnten herstellen.



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