Fury in Hannover: Changes-Premiere als heißes Heimspiel

„Fury in Hannover“ war am Freitagabend, 26. Juni 2026 das große Motto in Hannover und das aus einem besonderen Grund: Auf der Gilde Parkbühne feierten Fury in the Slaughterhouse ihre Releaseparty zum neuen Album „Changes”. Es war der einzige Termin der laufenden Tour, auf dem die Band die komplette neue Platte ausspielen wollte – und das natürlich auf heimischem Boden.

Die Thermometer kletterten an diesem Freitag auf 34 Grad, und das Open-Air-Gelände füllte sich entsprechend. Hinter der Bühne leuchtete in Orangerot das Artwork des Albums „Changes”. Gegen die Hitze hatte der Veranstalter Stationen zum Nachfüllen von Trinkwasser aufgestellt, die rege genutzt wurden. Selbst der gekühlte VIP-Bereich, ironisch „Skihütte” getauft, war nicht wirklich kälter.

Für Erfrischung sorgte dann ab 21 Uhr vor allem Frontmann Kai Wingenfelder, der das Publikum eimerweise nass machte. So bekam der Abend gleich zu Beginn eine eigene Note.

Hinter dem Konzert standen vier Jahrzehnte Bandhistorie: Vor 40 Jahren tat sich die Gruppe zusammen, anfangs eine kleine Combo mit großen Träumen. Geprobt und erste Auftritte gab es rund um das UJZ Glocksee, und in der Frühphase trat die Band fast überall in der Stadt auf.

Nach einer Pause kehrte sie nun einmal mehr kraftvoll und beeindruckend zurück; „Changes” ist nach Auflösung und Neugründung bereits die dritte Platte. Aus den kleinen Anfängen wurde eine Gruppe, deren Lieder inzwischen ein Millionenpublikum erreichten.

Dass von der frühen Energie nichts verloren ging, machte „Kick it out” aus dem Jahr 1988 hörbar, ein Song über den Traum von Erfolg und Rockmusik. Gitarrist Christof Stein-Schneider verband ihn mit einem Gruß an den „Frosch”, den er „als letzten Klub der Stadt mit Livebetrieb“ nannte. 

Auch der Weg zu den Tickets für das Heimspiel von Fury in the Slaughterhouse war ungewöhnlich. Karten kamen nicht über den normalen Vorverkauf in Umlauf, sondern nur im Bündel mit der frischen CD.. Womöglich erklärt das, warum der Eindruck einer nicht ganz ausverkauften Parkbühne entstand. Den Anhängern tat dieser Sonderweg jedoch sichtlich keinen Abbruch.

Trotz drückender Wärme und reichlich Schweiß blieben größere Zwischenfälle aus, die Sanitäter bekamen weniger zu tun, als zunächst befürchtet.

Gegen 21:00 Uhr ging es los, eröffnet vom Titelsong „Changes”. Kai Wingenfelder begrüßte das Publikum mit den Worten „Hallo, wir sind Fury in the Slaughterhouse. Wir kommen aus Hannover und das ist gut so!” und hatte die Menge damit sofort hinter sich.

Die Bühnenbesetzung aus Kai Wingenfelder, Thorsten Wingenfelder, Christof Stein-Schneider, Rainer Schumann, Gero Drnek und Christian Decker griff eng ineinander. Untereinander reichten sich die sechs verbal wie musikalisch die Vorlagen. Das wirkte gelassen, zugewandt und ohne Pose: keine Truppe, die sich auf alte Erfolge zurückzieht, sondern eine, die ihre Wurzeln pflegt und weiterdenkt. Genau diese Mischung machte „Fury in Hannover“ an diesem Abend aus.

Zwischen neuen Songs und alten Hits

Da die Platte zu diesem Zeitpunkt gerade einmal wenige Stunden alt war, spielte die Band sie nicht in fester Reihenfolge, sondern verteilte die neuen Titel zwischen bekannten Hits und den Lieblingsstücken der Fans. Direkt nach dem wuchtigen „9 Lives”, dessen Gitarren an die Foo Fighters denken lassen, kam das ältere, vertraute „Milk and Honey”; später reihte sich „Radio Orchid” hinter „Letter to myself” vom 2021er-Album „Now” ein.

Letzteren kündigte Stein-Schneider als etwas dem eigenen Alter Entsprechendes an und nahm allen die Sorge, die einen reinen Neue-Platte-Abend befürchtet hatten. Bemerkenswert war, wie sicher das Publikum selbst die jüngsten Stücke mitsang. Genau diese Balance prägte den Abend über weite Strecken.

Fury in Hannover mit eindeutiger Haltung und einem Anliegen

Politisch hielten sich die Furys nicht zurück. Die von ihr unterstützte Initiative Westprotest erhielt Platz für einen großen Infostand und machte deutlich, dass der geplante Ausbau des Westschnellwegs 19 Hektar Baumbestand und Versickerungsfläche kosten soll.

Der Initiative geht es um den Schutz der grünen Flächen im Stadtteil Linden. Passend dazu war Stein-Schneider mit dem Rad zur Location gekommen.

Mit dem Pfand der Becher sammelte die Band für ihre Aktion „Hoffnung verändert alles”; der Erlös floss – wie bereits 2025 – dem Verein Kleine Herzen zu, der sich für die Kinderherzstationen der Medizinischen Hochschule Hannover starkmacht.

Ernst und Humor lagen dabei nah beieinander. Eine Spitze gegen die Deutsche Bahn steckte in „Trapped today, trapped tomorrow”, dem Ihme-Zentrum galt „Sorrowland”. Mit „Viva la Revolución” schickte die Band einen Gruß an US-Präsident Donald Trump und dessen ICE-Behörde.

Auch klanglich zeigte Fury in Hannover Bandbreite. Gero Drnek legte unter „Lost and found” eine Tastenfigur, die beinahe nach Clubmusik klang.

In einem wuchtig verstärkten Zusammenschnitt von „Party Girl” und „Pussy Cat” schlüpfte Schlagzeuger Rainer Schumann kurz in die Rolle des Rappers.

Bei „When I’m dead and gone” schoben traditionell hin- und herwinkende Arme spürbar Bewegung über den Platz, und „Every Generation got its own disease” erklang, als die Dämmerung einsetzte.

Den Übergang zu den Zugaben besorgte „Won’t forget these days”, dessen Chöre erst endeten, als die Band selbst weiterspielte. Stein-Schneider verwies darauf, dass Hannover nicht umsonst Unesco City of Music heißt.

Vom Titelsong als Opener spannte sich der Bogen bis zu „Sister Moon” als letzte Zugabe.

Auch die Klassiker „Radio Orchid”, „Won’t Forget These Days” und „Time To Wonder” hatten an diesem Abend natürlich ihren Platz in der Setlist und wurden von den Fans entsprechend lautstark mitgesungen und gefeiert.

Mit dem Ende des regulären Sets war der Auftritt dann für die Band noch nicht vorüber: Am Merchandisestand gab die Band Autogramme, posierte für Selfies und wechselte ein paar Worte mit den Fans.

Eine nahbare Band, die auf Allüren verzichtet und den direkten Kontakt zu ihrem Publikum sichtlich suchte.

Wie es weitergeht, ließ sie offen: Thorsten Wingenfelder deutete an, dass eine weitere Platte vielleicht ausbleibt. So blieb Fury in Hannover an diesem heißen Abend vor allem eines – eine Releaseparty auf heimischem Boden vor einem durchweg textsicheren Publikum.

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Fotos: Holger Bücker / music2see

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