Vor 20.000 Fans auf der EXPO Plaza hat Nina Chuba in Hannover ihren bislang größten eigenen Auftritt in der Stadt gespielt. Der Termin gehörte zu den Sommershows 2026 von Nina Chuba, die die 27-Jährige in 14 Städte führen, darunter die Berliner Wuhlheide, die Hamburger Trabrennbahn und ihre erste eigene Stadionshow.
Lange blieb es an diesem Abend trocken und die Bedingungen waren ideal, erst im weiteren Verlauf des Abends zog dann doch noch Regen auf. Nina Chuba in Hannover wurde vor allem von einer Spielfreude getragen, die über die gesamte Distanz nicht nachließ.
Nina Chuba in Hannover: der größte Hit an dritter Stelle
Wer die Setlist von Nina Chuba danach beurteilt, wo der größte Hit steht, bekommt an diesem Abend eine klare Ansage. „Wildberry Lillet“, der Song, der 2022 alles ausgelöst hat, steht an dritter Stelle. Davor eröffnet „NINA“, jene Single, mit der Chuba 2024 aus einer längeren Veröffentlichungspause zurückkam, danach folgt „Mangos mit Chili“.
Damit sind bereits nach einer Viertelstunde die drei bekanntesten Nummern raus, und die restlichen zweiundzwanzig müssen ohne Rückversicherung tragen. Nina Chuba in Hannover verzichtet also auf den Spannungsbogen, der bei vielen Acts auf einen einzigen Refrain am Ende zuläuft.
Von der Kinderserie zum zweiten Album
Das funktioniert, weil der Katalog inzwischen tief genug ist. Vor der Musik stand Chuba als Kind vor der Kamera, unter anderem in der Kinderserie „Die Pfefferkörner“. Es folgten zwei englischsprachige EPs, „Power“ und „Average“, bevor „Neben mir“ im Oktober 2021 zur ersten deutschen Single wurde.
Nach dem Durchbruch führte das Debütalbum „Glas“ 2023 die Charts in Deutschland und Österreich an und wurde später mit Platin ausgezeichnet, die anschließende Tour brachte sechzehn ausverkaufte Termine in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Im Dezember 2024 erschien die EP „Farbenblind“ mit dem Tokio-Hotel-Feature „Fata Morgana“, im September 2025 das zweite Album „Ich lieb mich, ich lieb mich nicht“, angekündigt zwei Monate zuvor auf der Bühne der Wuhlheide. „Ende“, „Unsicher“, „Rage Girl“ und „Fucked Up“ waren ihm als Singles vorausgegangen. Chuba stammt aus Wedel bei Hamburg und lebt seit 2018 in Berlin.
Nina Chuba in Hannover: drei Blöcke, ein Bogen
Der Abend ist klar in drei Blöcke gebaut, und jeder davon hat seine eigene Aufgabe. Der erste ist beatgetrieben und läuft ohne Verschnaufpause durch: „Jeeep“, „Malediven“ und „Kilimanjaro“ halten das Tempo, „Gefährlich“ von badmómzjay und Boki bleibt der einzige Fremdsong des Programms, „Ich glaub ich will heut nicht mehr gehen“ und „Wenn das Liebe ist“ schließen ihn ab.
Der zweite Block nimmt das Tempo bewusst zurück. „Nicht allein“, der kurze Skit „ILMILMN“ und „Unsicher“ nehmen die Produktion so weit zurück, dass die Stimme allein stehen muss, und Chuba nutzt die Ansagen dazwischen für den persönlichsten Teil des Abends. Sie wirkt dabei durchgehend natürlich, positiv und in keiner Sekunde aufgesetzt.
Sie spricht über ihre Zwanziger und darüber, dass es für auseinandergehende Freundschaften keine eigene Songgattung gibt, während Trennungen ganze Alben füllen. „3 Uhr Nachts“ ist ihre Antwort darauf und der ruhigste Moment des Abends. Gerade dieser Teil zeigt, wie tragfähig die Songs auch ohne großes Arrangement sind. Nina Chuba in Hannover nimmt sich an dieser Stelle bewusst die Ruhe, die auf einer offenen Fläche dieser Größe nicht selbstverständlich ist, und gewinnt damit eine Nähe, die auf einem Gelände dieser Größenordnung sonst schwer herzustellen ist.
Der dritte Block dreht wieder auf und zeigt, wohin sich Chuba seit „Farbenblind“ bewegt hat. „Fliegen“, „Fata Morgana“ und „Fucked Up“ bringen die Gitarren zurück, „Rage Girl“ richtet sich hörbar an den jüngeren Teil des Publikums, „Überdosis“, „Nimm mich mit“, „Tinnitus“, „Glatteis“ und „Waldbrand“ führen auf „Fahr zur Hölle“ zu, das den Hauptteil nach gut anderthalb Stunden schließt.
Der Aufbau macht deutlich, dass diese Show von vornherein für große Flächen gedacht ist und nicht aus einem Clubprogramm hochskaliert wurde. Nina Chuba in Hannover gewinnt durch diese Dreiteilung deutlich an Kontur: Rap, Pop und Rock bekommen jeweils ihren eigenen Raum, und genau das macht das Programm abwechslungsreich statt austauschbar.
Zehn Monate nach dem verschobenen Hannover-Termin
Der Abend hatte zudem eine Vorgeschichte, die ihm zusätzliches Gewicht gab. Die Absage in der ZAG Arena im November 2025 hatte gesundheitliche Gründe und kam nur wenige Stunden vor dem geplanten Einlass.
Auf der Plaza kommt Chuba von sich aus darauf zurück und entschuldigt sich noch einmal bei ihren Fans, ehrlich und ohne Floskeln. Wie sehr sie sich freut, jetzt endlich in Hannover spielen zu können, ist ihr in jedem einzelnen Moment anzumerken.
Zehn Monate später löst sie den Termin vor deutlich mehr Publikum ein, als die Halle gefasst hätte. Nina Chuba in Hannover ist damit auch ein Wiedersehen, auf das viele lange gewartet haben.
Ein Publikum von den Kids bis zur Elterngeneration
Das Publikum ist breiter gemischt, als es die Streamingzahlen vermuten lassen. Vorn feiern die Kids, viele davon mit den Flechtfrisuren, die Chuba populär gemacht hat, einige auf den Schultern der Erwachsenen. Auch zwischen den Songs bleibt der Ton freundlich und zugewandt, ohne dass die Show dabei an Tempo verliert.
Im hinteren Teil der Plaza stehen die Eltern, die den Abend eher beobachten als mitsingen und trotzdem bis zum Ende bleiben. Dazwischen steht ein Publikum, das textsicher genug ist, um ganze Strophen zu übernehmen, und das bei den älteren Songs genauso mitgeht wie bei den neuen.
Dass es im weiteren Verlauf nass wird, ändert daran nichts: Die Plaza leert sich nicht, der hintere Bereich bleibt ebenso besetzt wie die Fläche vor der Bühne. Nina Chuba auf der EXPO Plaza erreicht damit ein Publikum, das weit über die eigene Altersgruppe hinausreicht, und genau diese Mischung aus allen Generationen macht den besonderen Reiz eines großen Open-Air-Abends dieser Größenordnung aus.
Nina Chuba in Hannover: 25 Songs in hundert Minuten
Bemerkenswert ist auch, wo Chuba herkommt, und sie spricht es an diesem Abend selbst an. Ihr erster Auftritt auf demselben Gelände liegt erst drei Jahre zurück, damals war sie im September 2023 ein Name unter mehreren auf einem Plaza-Festival-Lineup mit Jason Derulo, Sean Paul, Alle Farben und Jax Jones.
Dass sie nun allein vor mehr als 20.000 Fans spielen darf, nennt sie etwas Besonderes, und man nimmt ihr ab, dass es für sie keine Selbstverständlichkeit ist, so viele Menschen zu ziehen. Auf der Bühne ist sie ein echter Star, mit einem sehr natürlichen, freundlichen Lächeln und dem sichtbaren Spaß daran, für ihre Fans zu spielen.
Zum Schluss gibt es noch zwei Songs als Zugabe, „Ich hass dich“ und „So lange her“, und nach rund hundert Minuten ist ein Abend zu Ende, der von der ersten bis zur letzten Nummer getragen hat. Nina Chuba in Hannover endet damit ausgerechnet mit einem der ältesten Stücke im Programm.
Nina Chuba in Hannover hat an diesem Abend eindrücklich gezeigt, warum die Nachfrage nach ihren Shows weiter wächst. Weiter geht es Mitte September mit drei Abenden in der Berliner Wuhlheide, von denen der erste ausverkauft ist.



