Joanne Shaw Taylor Band live Konzert Pavillon Hannover

Joanne Shaw Taylor im Pavillon Hannover – dieses Konzert zeigte von der ersten Sekunde an, was diese britische Gitarristin und Sängerin auf einer Livebühne zu leisten imstande ist. Der Pavillon war für diesen Abend vollständig bestuhlt, was der Atmosphäre zunächst eine gewisse Zurückhaltung aufzuerlegen schien. Doch Taylor und ihre Band ließen dem Publikum keine Zeit, sich in dieser Haltung einzurichten. Der erste Song saß, die Energie war unmittelbar da, und damit war klar: Ein bestuhltes Konzert und ein echter Bluesrock-Abend schließen sich nicht aus – wenn die Leute auf der Bühne wissen, was sie tun. Und das wussten sie.

Joanne Shaw Taylor im Pavillon Hannover legt vom ersten Takt an los

Joanne Shaw Taylor im Pavillon Hannover Gitarre Bluesrock

Mit „In The Mood“ als Eröffnungsnummer war der Abend sofort in Fahrt. Kein Herantasten, kein Warmlaufen – Taylor trat an und spielte, als wäre das Konzert schon zwanzig Minuten alt. Diese Unmittelbarkeit ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Karriere, die früh und unter ungewöhnlichen Bedingungen begann: Bereits mit 16 Jahren wurde sie von Dave Stewart der Eurythmics entdeckt und in dessen Tourband aufgenommen – eine Schule, die ihr Handwerk nachhaltig prägte.

Inzwischen lebt die Britin in Nashville, und dieser Kontext ist in ihrem Sound zu spüren: Roots-Musik, Blues und Rock verbinden sich zu etwas, das keiner einzelnen Schublade folgt. Auf Tour ist Taylor häufig, die Bühne ist ihre vertraute Arbeitsumgebung – und das war an diesem Abend klar zu merken. Wer erwartet hatte, dass ein vollständig bestuhltes Konzert von Joanne Shaw Taylor im Pavillon Hannover in seiner Energie irgendwie eingedämmt sein würde, wurde eines Besseren belehrt. Das Publikum folgte dem Set aufmerksam und reagierte auf die stärksten Passagen mit Applaus, der deutlich machte, dass man auch im Sitzen mitgeht.

Gitarrenspiel und Stimme: Was Joanne Shaw Taylor im Pavillon Hannover auszeichnet

Das Gitarrenspiel von Joanne Shaw Taylor im Pavillon Hannover stand naturgemäß im Mittelpunkt der Show. In einem Feld, das seit Jahrzehnten stark von männlichen Instrumentalisten geprägt wird, besteht sie nicht nur – sie setzt eigene Maßstäbe. Was dabei besonders auffällt: Taylor spielt nicht, um Technik zu demonstrieren. Ihre Soli entstehen aus dem Song heraus, haben Richtung und führen wieder in ihn zurück. In den schnellen, druckvollen Nummern war dieser Instinkt deutlich zu hören, ebenso in den ruhigeren Passagen, wenn die Band das Tempo zurücknahm und der einzelnen Note mehr Raum ließ.

Ihre Interpretation von Gershwins „Summertime“ machte deutlich, dass Taylor eine eigene musikalische Sprache besitzt: keine bloße Coverversion, sondern eine eigenständige Lesart. Die Stimme, die sie neben dem Gitarrenspiel mitbringt, ist ein zweites, eigenständiges Argument. Ausdrucksstark, mit Volumen und der Fähigkeit, auch in den leisen Momenten Gewicht zu behalten. In „Sweet ‚Lil Lies“ und „Wild Is The Wind“ – einem Song, der auf Johnny Mathis zurückgeht – zeigten sich beide Stärken in direkter Verbindung. Zwischen den Songs fand Taylor den richtigen Ton für kurze Anmerkungen ans Publikum – knapp und treffend, ohne den Rhythmus der Show zu unterbrechen.

Die Band hält das Ganze zusammen

Das Zusammenspiel zwischen Taylor und ihrer vierköpfigen Band war beim Konzert von Joanne Shaw Taylor im Pavillon Hannover eines der prägenden Merkmale des Abends. Die vier Musiker agierten nicht als Kulisse, sondern als Teil eines gemeinsamen Sounds, der sich dynamisch veränderte und auf Taylors Führung reagierte. Eingespielt, präzise und ohne überflüssige Gesten: genau das, was eine solche Show braucht. Besonders deutlich wurde das in den Wechseln zwischen druckvollen und ruhigeren Passagen – Übergänge, die ohne Reibung funktionierten, weil die Band weiß, wie man sie gestaltet.

Rund 100 Minuten dauerte der Abend, ohne erkennbare Längen, mit einem Programm, das die Stärken der Künstlerin konsequent in den Mittelpunkt stellte. Der Pavillon erwies sich als der richtige Rahmen: kein Massenformat, aber groß genug, damit die Musik ihren Platz hatte. Joanne Shaw Taylor im Pavillon Hannover war ein Konzert, das keine Vorkenntnisse brauchte, um zu wirken – und das Kenner mit einem Abend versorgte, der dem entsprach, was man von dieser Künstlerin erwarten durfte.

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