Kaffkiez Interview zur Entwicklung von DIY-Band zu großen Hallen

Der Weg von KAFFKIEZ führt Schritt für Schritt aus der DIY-Struktur in größere Hallen. Mit ihrem aktuellen Album „WIR“ und dem Einstieg auf Platz 3 der deutschen Charts erreicht die Band einen neuen Punkt ihrer Entwicklung – ohne dabei ihre Arbeitsweise grundlegend zu verändern.

Im KAFFKIEZ Interview spricht Frontmann Johannes Eisner über diesen Prozess, den Spagat zwischen Eigenständigkeit und wachsender Reichweite sowie die anstehende Tour, die unter anderem in die Swiss Life Hall führt.

Herzlichen Glückwunsch zu Platz 3 in den Charts. Wie ordnest du diesen Erfolg ein? Siehst du darin eine Bestätigung eures bisherigen Wegs oder eher eine Verpflichtung gegenüber der wachsenden Erwartungshaltung?

Johannes Eisner: Vielen Dank. Für mich ganz persönlich ist das auf jeden Fall ein riesiger Erfolg. Ich glaube, es hätten sich auch alle gefreut, wenn es die Eins geworden wäre. Dann haben sich aber zwei sehr große deutsche Bands überlegt, noch mal eine alte Platte neu aufzulegen, teilweise sogar sehr spontan, und dann hat es eben nicht ganz gereicht. Wir machen bei uns immer noch sehr viel selbst im Sinne von DIY. Jeden Tag sitzen wir im Büro oder im Studio. Zu wissen, dass es dann bei unseren Strukturen für Platz 3 in den deutschen Charts reicht, ist für mich auf jeden Fall ein unglaubliches Kompliment. Das nehme ich erst einmal gerne so an.

Die Bedeutung von Gemeinschaft und musikalischer Reife

Du hast es ja gerade angesprochen, ihr macht sehr viel selber. Ist dieser Titel „WIR“ eher ein bisschen kollektiv gemeint oder inwiefern spiegelt das Album die interne Dynamik der Band wider? Gab es während der Produktion Momente, wo diese Einheit, die ihr da habt, besonders gefordert war?

Johannes Eisner: Ja, ich glaube, die ganze Kampagne und das letzte Jahr waren davon getrieben, dass dieses „WIR“ gebraucht und teilweise auch sehr gefordert wurde. Ein Jahr ohne Live-Konzerte war für uns extrem neu und wir haben schnell gemerkt, dass wir wieder rausmüssen. Es funktioniert nicht, wenn alles nur im Internet stattfindet und wir uns ausschließlich im Studio verschanzen und Musik machen. Daraufhin haben wir viele Aktionen gestartet, die von sich heraus diese Wir-Geschichte noch einmal mega toll erzählt haben. Es gab kostenlose Bahnhofskonzerte, wir sind mit einem Fan ins Studio gegangen, um einen Song aufzunehmen, und wir haben mehrere hundert Rosen gratis verteilt und den Leuten Komplimente gemacht.

Wir haben wirklich versucht, uns passend zu dieser Platte und dem Motto viele Aktionen einfallen zu lassen, die uns auch ohne reguläre Konzerte wieder möglichst nah an die Leute bringen. Dieses Wir-Gefühl meint ja auch nicht nur uns als Band, sondern bringt auch alle zusammen, die die Musik cool finden oder in irgendeiner Art und Weise etwas mit uns anfangen können. Das hat sehr gut funktioniert.

Musikalisch ist eure neue Platte deutlich gereifter als die ersten Veröffentlichungen. Welche bewussten Entscheidungen habt ihr im Studio getroffen, um den Sound von Kaffkiez weiterzuentwickeln, ohne eure bekannte Energie dabei zu verlieren?

Johannes Eisner: Wenn man seine Musik selbst macht, ist das eine relativ konsequente Entwicklung, die einfach passiert. Als ich vor fünf oder sechs Jahren angefangen habe, die ersten Kaffkiez-Songs zu schreiben, hatte ich keine Musik studiert oder eine Songwriter-Ausbildung genossen. Man hat einfach gemacht, und so funktioniert es im Grunde immer noch. Aber ich kann nun inzwischen auf einen Erfahrungsschatz von sechs Jahren zurückgreifen.

Man wird mutiger, traut sich an neue Instrumente, an neue Wege und andere Ansätze heran. Wenn man sich viel mit dem Thema auseinandersetzt und musikalisch eins zu eins sein Projekt verkörpert, dann reift das Projekt einfach mit einem mit. Für mich fühlt sich das gar nicht so neu oder anders an – es ist einfach unsere logische musikalische Weiterentwicklung.

Da passt die nächste Frage extrem gut dazu. Wie stark fließen persönliche Erfahrungen in eure Texte mit ein und wo zieht ihr die Grenzen zwischen Intimität und der Öffentlichkeit, die ihr durch die Musik lebt?

Johannes Eisner: Als Texter sage ich immer sehr gerne, dass ich einfach Bock habe, gute Geschichten zu erzählen. Eine Geschichte ist nicht nur dann gut, wenn sie von mir stammt. Es gibt auf dieser Welt genug gute Geschichten – sei es von Freunden, Bekannten oder einfach solche, die jeder von uns schon einmal erlebt hat. Natürlich erzähle ich gerne aus meinem Umfeld. Manchmal habe ich allerdings das Gefühl, mein Leben ist gar nicht so spannend, dass ich damit ein ganzes Album füllen könnte. Am Ende funktioniert ein Song, wenn die Geschichte stark ist. Dann spielt es auch keine Rolle, ob es meine eigene, eine x-beliebige oder sogar deine Geschichte ist.

Der Sprung in die großen Konzerthallen

Gehen wir mal in Richtung Tour. Ihr spielt jetzt in großen Hallen mit einer deutlich höheren Kapazität, als es bisher in den Clubs der Fall war. Wie unterscheidet sich die Herangehensweise für die Show, wenn ihr vom Club in die große Arena wechselt? Gerade jetzt zum Beispiel, wenn Ihr am 14. April hier bei uns in Hannover in der Swiss Life Hall Eure Show habt.

Johannes Eisner: Wir hatten noch nie einen so langen Planungsvorlauf, was Show, Licht, Design und all das betrifft. Das war für uns eine ganz neue Welt, auch was die Größenordnungen angeht. Uns war wichtig, dass wir eine Show auf die Beine stellen, die diese riesige Menge an Menschen abholen kann. Egal, wo du auf diesem Konzert stehst oder mit welchen Emotionen du kommst – ob du einen langen Arbeitstag, ein schlechtes Wochenende oder gerade die Zeit deines Lebens hattest – wir möchten dich emotional erreichen.

Wir haben nicht nur die passenden Songs, sondern auch ein Live-Konzept für diese Tour entwickelt, das genau das schafft und dir einen guten Abend bereitet. Das ist eine große Kunst für sich und ich habe mega Bock darauf, das umzusetzen.

Eure Konzerte sind für eine extrem hohe Intensität bekannt. Wie bereitet ihr euch physisch und mental auf so eine große Headliner-Tour vor, die ja jeden Abend eine enorme Dynamik erfordert?

Johannes Eisner: Mein Learning aus den letzten Jahren ist: Mental kann man sich auf so etwas kaum vorbereiten. Man weiß vorher, dass es krass wird und einem viel abverlangen wird, jeden Abend diese Emotionen abzurufen und auch echt zu spüren. Schauspielern lässt sich das einfach schlecht. Eine Show knallt nur dann, wenn wir auf der Bühne die Energie des Publikums aufnehmen und zurückgeben können. Mental ist das sehr schwierig.

Vielleicht fährt man vorher noch mal in den Urlaub, um Energie zu tanken. Körperlich versuche ich gerade, sehr viel Sport zu treiben, ganz fleißig meine Gesangsübungen zu machen und die Stimme gut geölt zu halten. Das, was auf der Bühne passiert, ist eine echte sportliche Leistung. Davon ist natürlich alles weit entfernt vom damaligen Rock ’n‘ Roll Lifestyle. Ordentlich früh ins Bett gehen ist wichtig; mit allzu viel Bier funktioniert das natürlich nicht mehr.

Kommen wir noch kurz auf das Thema Hannover. Ihr habt hier ja schon einige Shows gespielt und die Stadt ist oft ein kleiner Gradmesser für das deutsche Publikum. Welche Erwartungen habt ihr an die Stimmung in der Swiss Life Hall im Vergleich zu früheren Auftritten?

Johannes Eisner: Ich finde es wahnsinnig schön, dass wir jetzt in der Swiss Life Hall spielen. Ich verbinde mit Hannover ganz viel von dieser Anfangszeit, in der wir im Sprinter saßen, es 34 Grad hatte und die Lüftung nicht funktionierte. Man kam völlig verschwitzt auf einem Festival an und spielte die Show, aber diese Auftritte sind mir immer sehr positiv in Erinnerung geblieben.

Ich habe extrem große Lust darauf, die Stadt jetzt noch einmal unter einem größeren Konzept kennenzulernen: aus dem Nightliner zu steigen, eine große Bühne zu bespielen und die Leute auf einem ganz anderen Level abzuholen als noch vor ein paar Jahren. Solche Abende in Locations, in denen man noch nie war, haben immer eine ganz besondere Magie.

KAFFKIEZ Interview: Die Zukunftsvision der Band

Was dürfen die Fans denn erwarten, wenn ihr auf Tour seid? Steht das neue Album voll im Mittelpunkt oder plant ihr einen Querschnitt durch eure gesamte Karriere?

Johannes Eisner: Klar, es ist eine Album-Tour und wir werden versuchen, die neuen Songs gekonnt in Szene zu setzen. Aber wir wären ja nicht Kaffkiez, wenn wir nicht eine Setlist bauen würden, die genug Party garantiert und alles mitbringt, was wir in den letzten Jahren gemacht haben. Vielleicht packen wir manche Sachen in ein ganz neues Gewand oder spielen sie mit einer frischen Energie. Wer als Fan kommt oder erst noch einer werden will, kommt auf jeden Fall voll auf seine Kosten.

Welchen Stellenwert nimmt das Touren für euch heute ein, nachdem sich die Rahmenbedingungen durch den Chart-Erfolg natürlich verändert haben?

Johannes Eisner: Das Tour-Dasein hat sich weniger durch die Chartplatzierung, sondern vielmehr durch das vergangene Jahr stark verändert. Wir waren letztes Jahr nicht so viel live unterwegs und haben gemerkt, dass dem gesamten Konzept ein massiver Teil fehlt, wenn wir nicht spielen. Die direkte Verbindung zu den Leuten und selbst das Motto „WIR“ fühlen sich unvollständig an, wenn wir nicht auf der Bühne stehen. Die gesamte Kaffkiez-Welt basiert darauf, dass Live-Energie am Start ist. Daher wird das Touren für uns immer eine absolute Hauptrolle spielen.

Viele eurer Texte greifen Themen auf, die die junge Generation bewegen. Spürt ihr da eine Verantwortung gegenüber dem Publikum, genau das in den Vordergrund zu stellen?

Johannes Eisner: Letztendlich ist es unvermeidbar, dass beim Songwriting immer ein bisschen die Brille des Texters mit dazu kommt. Egal welche Geschichte es ist, sie wird von unserer Wahrnehmung eingefärbt und ist dadurch vielleicht besonders zugänglich für Leute in unserem Alter. Gleichzeitig stellen wir bei unseren Konzerten fest, dass extrem gemischte Altersgruppen am Start sind – von Oma Juliane mit 71 Jahren in der ersten Reihe bis hin zu ganz jungen Kids. Die Verantwortung, die wir spüren, ist vielmehr, die Leute exakt dort abzuholen, wo sie gerade emotional stehen. Das ist keine Frage des Alters, sondern einer gemeinsamen Energie, die man vermitteln möchte.

Gibt es auf dem neuen Album einen bestimmten Song, auf dessen Live-Umsetzung ihr euch besonders freut, weil er eine etwas neue Facette der Band präsentiert?

Johannes Eisner: Wir durften zum Glück Ende letzten Jahres noch zwei Homecoming-Shows in Rosenheim spielen und konnten dort schon ein paar Sachen vom Album live testen. Das fühlte sich überragend an. Um ein Beispiel zu nennen: Wir haben „Halb so schön wie du“ ausprobiert. Der Track ist sehr groß und mutet für unsere Verhältnisse schon fast ein bisschen hymnisch an. Das hat wunderschön funktioniert. Dementsprechend haben wir riesige Lust, noch den einen oder anderen Track in dieser Richtung live zu checken.

Was ist für euch persönlich die größte Herausforderung dabei, diese Unmittelbarkeit der Musik in einer großen Arena beizubehalten?

Johannes Eisner: Die große Herausforderung ist die Größe an sich. Früher hatte man in kleineren Locations gefühlt mit jedem kurzen Augenkontakt und wusste direkt, wie es den Leuten geht. Man konnte bis zur letzten Reihe sehen, ob alle eine gute Zeit haben. Dafür zu sorgen, dass man sich jetzt auch in der letzten Reihe einer riesigen Halle von der Energie abgeholt fühlt, betrifft nicht nur uns als Band, sondern die gesamte Crew. Der Sound muss hinten perfekt sein, das Licht muss stimmen und unsere Message muss ungefiltert bis ganz nach hinten durchdringen.

Wo siehst du Kaffkiez in zwei oder drei Jahren? Ist das aktuelle Album eher ein Zwischenkapitel oder der Beginn einer völlig neuen Phase?

Johannes Eisner: Ich glaube, dass das Wort „WIR“ vielmehr ein Synonym ist, das noch einmal klargemacht hat, wofür wir eigentlich stehen. Zwischen dem Bandnamen und diesem Wort kann man gut ein Gleichheitszeichen setzen. Wir wollen für gute gemeinsame Momente stehen, die niemanden ausschließen und verbinden. Ich hoffe sehr, dass wir diese Mission noch viele Jahre beibehalten können. In zwei, drei Jahren sehe ich uns hoffentlich weiterhin auf tollen Konzerten mit begeisterten Menschen im Publikum. Jetzt gerade ist natürlich erst einmal die Tour komplett im Fokus, darauf freue ich mich riesig.

Kommen wir zur Abschlussfrage. Wenn ihr die Hannover-Show in einem einzigen Satz ankündigen müsstet – völlig ohne Floskeln oder PR-Sprache – wie würde dieser lauten?

Johannes Eisner: Ohne PR-Sprache würde ich einfach sagen: Hannover, packt eure sieben Sachen ein, wir treffen uns auf einem wunderschönen musikalischen Date.

Das war ein super Abschlusssatz. Vielen Dank für Deine Zeit und bis bald in Hannover.

Johannes Eisner: Bitte, ich danke euch.


Kaffkiez Interview – Live-Atmosphäre bei einem Konzert der Band

KAFFKIEZ TOUR 2026

  • 09.04.2026 STUTTGART BEETHOVENSAAL Tickets
  • 10.04.2026 ZÜRICH HALLE 622 Tickets
  • 12.04.2026 KÖLN PALLADIUM Tickets
  • 14.04.2026 HANNOVER SWISS LIFE HALL Tickets
  • 18.04.2026 LEIPZIG HAUS AUENSEE Ausverkauft
  • 19.04.2026 FÜRTH STADTHALLE FÜRTH Ausverkauft
  • 22.04.2026 WIESBADEN SCHLACHTHOF Ausverkauft
  • 23.04.2026 DORTMUND WESTFALENHALLE Tickets
  • 29.08.2026 DRESDEN JUNGE GARDE Tickets
  • 30.08.2026 WIEN ARENA OPEN AIR Tickets
  • 03.09.2026 LINZ POSTHOF OPEN AIR Tickets
  • 05.09.2026 ERFURT FESTWIESE PETERSBERG Tickets

FESTIVALS

  • 03.04.2026 LIFE IS LIFE FESTIVAL LENZERHEIDE Tickets
  • 03.06.2026 CAMPUS FESTIVAL MAGDEBURG Tickets
  • 13.06.2026 STAGETOPIA FESTIVAL SAARBRÜCKEN Tickets
  • 20.06.2026 HURRICANE FESTIVAL SCHEESSEL Tickets
  • 21.06.2026 SOUTHSIDE FESTIVAL NEUHAUSEN OB ECK Tickets
  • 28.06.2026 OPEN AIR ST. GALLEN ST. GALLEN Tickets
  • 06.08.2026 ABOUT YOU PANGEA FESTIVAL PÜTNITZ Tickets
  • 07.08.2026 OPEN FLAIR ESCHWEGE Tickets
  • 08.08.2026 TAUBERTAL FESTIVAL ROTHENBURG Tickets
  • 04.09.2026 ALLGÄUS FINEST FESTIVAL KARSEE / WANGEN IM ALLGÄU Tickets

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