Wacken 2025 wird vielen wegen des Wetters in Erinnerung bleiben, doch das wäre nur die halbe Wahrheit. Vom 30. Juli bis 2. August verwandelte sich das Dorf in Schleswig-Holstein zum 34. Mal in einen Treffpunkt für rund 85.000 Metalheads aus aller Welt.
Vier Tage Regen, tiefe Senken und zäher Matsch prägten das Bild von Wacken 2025, doch das Motto „Rain or shine“ wurde wie üblich nicht als Drohung verstanden. Über 200 Bands spielten auf neun Bühnen, das Festival war restlos ausverkauft.
Schon der Auftakt am Mittwoch setzte den Ton. Während Mitgründer Thomas Jensen bei der Eröffnungszeremonie den einsetzenden Regen trocken kommentierte, hatten sich die Felder bereits in eine Rutschbahn verwandelt. Was den Charakter des Festivals ausmacht, zeigte sich gerade unter diesen Bedingungen: Fremde schoben sich gegenseitig die Autos aus dem Matsch, teilten Unterstände und wärmende Getränke.
Jensen und Holger Hübner waren das ganze Wochenende von Wacken 2025 auf dem Gelände unterwegs, um spontan nachzubessern. Das Drumherum reichte vom Metal-Markt über einen echten Bauernmarkt mit mehreren Käsetheken bis zu einer Akustikbühne in der Dorfkirche.
Guns N‘ Roses brechen bei Wacken 2025 den Spielzeitrekord
Der erste Großmoment kam am Donnerstagabend. Guns N‘ Roses spielten die längste Show in der Geschichte des Festivals. Axl Rose, Slash und Duff McKagan standen über drei Stunden auf der Harder Stage, es war zugleich das Finale ihrer ausgedehnten Welttournee.
Das Set spannte den Bogen von „Welcome to the Jungle“ über „Mr. Brownstone“ und die Wings-Bearbeitung „Live and Let Die“ bis zu „Nightrain“, „November Rain“ und dem Abschluss mit „Paradise City“.
Ein Moment ragte heraus. Mit den Black-Sabbath-Stücken „Sabbath Bloody Sabbath“ und „Never Say Die!“ ehrte die Band den kurz zuvor verstorbenen Ozzy Osbourne. Beide Coverversionen gerieten ergreifender als bei ihrem Auftritt beim Abschiedskonzert in Birmingham wenige Wochen zuvor.
Über dem Set lag dennoch ein Schatten: Axl Rose erreichte die Höhen früherer Jahre nicht durchgängig und wirkte stellenweise nicht ganz im Einklang mit der Band. Zum Abschluss leuchtete eine große Drohnenshow das Bandlogo in den Nachthimmel. Guns N‘ Roses bleiben eine der größten Rockbands überhaupt, auch wenn dieser Auftritt bei Wacken 2025 zeigte, dass an der Bühnenform noch zu arbeiten ist.
Gojira und Machine Head als Headliner mit Haltung
Am Samstagabend übernahmen Gojira die Harder Stage und lieferten einen der eindrucksvollsten Auftritte. Sänger Joe Duplantier zeigte sich sichtlich bewegt, zu dieser Zeit auf dieser Bühne zu stehen. Statt einer Nostalgieshow gab es einen Querschnitt durch das aktuelle Schaffen: „Only Pain“, „The Axe“ und „Backbone“ eröffneten brachial, „Stranded“ und das eigenwillige „Flying Whales“ zeigten die Bandbreite.
Mit der Olympia-Fassung von „Mea Culpa“ samt Mezzosopranistin Marina Viotti und dem Black-Sabbath-Cover „Under the Sun“ setzte die Band besondere Akzente. „Amazonia“ entfaltete seine ganze Schwere, „L’Enfant Sauvage“ trieb Spannung und Tempo nach oben, und der hypnotische Abschluss „The Gift of Guilt“ beendete ein Set, das technisch wie inhaltlich kompromisslos war. Schlagzeuger Mario Duplantier kam zwischendurch hinter dem Kit hervor, um seine Fähigkeiten am Doublebass vorzuführen.
Direkt im Anschluss folgte Machine Head auf der Faster Stage, bei einigen der heftigsten Regengüsse des Festivals. Mit „Imperium“, „Ten Ton Hammer“ samt Dutzenden aufblasbarer Hämmer im Publikum und „Choke on the Ashes of Your Hate“ hielten Robb Flynn und seine Band die erschöpfte Menge neunzig Minuten lang im Griff.
Das kompakte Zwölf-Song-Set von „Locust“ über „From This Day“ bis zum kathartischen Finale „Davidian“ und „Halo“ geriet zum perfekten Schlusspunkt von Wacken 2025 und zur Antwort an alle, die der Band große Headliner-Slots nicht zutrauen.
Papa Roach und der größte Auftritt von Wacken 2025
Als Papa Roach im Vorjahr für die Spitze des Programms angekündigt wurden, gab es Zweifel, ob die Band groß genug für diese Position sei. Diese Zweifel räumten die US-Amerikaner um Sänger Jacoby Shaddix gründlich aus. Sie zogen die größte Menge des gesamten Wochenendes an, eine der größten in der Geschichte des Festivals überhaupt.
Der Auftakt mit einer eingespielten Videopremiere der neuen Single „Braindead“ wirkte zunächst kühl, doch sobald die Band selbst die Bühne betrat, war von dieser Distanz nichts mehr zu spüren. „Even If It Kills Me“, „Blood Brothers“ und „Dead Cell“ rissen das Publikum mit, „Getting Away with Murder“ und ein Cover-Medley aus Linkin Parks „In the End“ und Ozzy Osbournes „Changes“ zeigten die ganze Spannbreite.
Die Zugabe übertraf den Hauptteil noch. Nach „Between Angels and Insects“ und „Infest“ kündigte Shaddix an, von hier an werde es ausschließlich Nu Metal geben, und jagte durch ein waghalsiges Medley aus Korns „Blind“, dem Deftones-Klassiker „My Own Summer“, Limp Bizkits „Break Stuff“ und „Chop Suey!“ von System of a Down. Den Abschluss bildete erwartungsgemäß „Last Resort“. Der Auftritt wirkte wie der Beginn eines neuen Kapitels für eine Band, die ihren Platz an der Spitze nun endgültig beansprucht.
Bombast und Theatralik: Within Temptation und King Diamond
Within Temptation auf der Faster Stage zählten zu den Höhepunkten des Samstags von Wacken 2025. Trotz strömenden Regens verlor die Band um Sängerin Sharon den Adel nichts von ihrer Wirkung. Frühe Stücke wie „Ice Queen“ gewannen vor der Naturkulisse sogar an Kraft, „Faster“ und „Stand My Ground“ bekamen eine zusätzliche Härte.
Für die Antikriegsballade wickelte sich den Adel in eine ukrainische Flagge aus dem Publikum. Mit einem spektakulären „Mother Earth“, während erneut der Himmel aufriss, endete ein Auftritt, der dramatischer kaum hätte sein können.
Spätabends übernahm King Diamond die Louder Stage, pünktlich zur Mitternacht und damit zur einzig passenden Stunde für den dänischen Meister des Makabren. Mit einer riesigen Geisterhaus-Kulisse und seinem charakteristischen Mikrofonständer aus Knochen eröffnete er mit dem Doppelschlag „The Arrival“ und „A Mansion in Darkness“ vom Klassiker „Abigail“. „Halloween“ wurde zum großen Mitsing-Moment, und als er für „Welcome Home“ seine betagte Großmutter auf die Bühne holte, schrien Tausende ihren Refrain mit. Trotz der fortgeschrittenen Stunde und der schrumpfenden Menge blieb King Diamond der perfekte Zeremonienmeister von Wacken 2025.
Wacken 2025: Jubiläen und Legenden auf dem Holy Ground
Ein roter Faden von Wacken 2025 waren die Jubiläumsshows. Grave Digger feierten auf der Harder Stage ihr 45-jähriges Bestehen und zeigten, dass sie deutlich härter zu Werke gehen, als ihr Ruf als Power-Metal-Vorreiter vermuten lässt.
„Kingdom of Skulls“ und das mitgegrölte „Valhalla“ waren Wucht pur, der frühere Gitarrist Uwe Lulis stieß für „Excalibur“ und das von Dudelsäcken getragene „Rebellion“ hinzu. Mit „Heavy Metal Breakdown“ endete eine Show, die nach fast fünf Jahrzehnten keinerlei Verschleiß erkennen ließ.
Michael Schenker widmete seinen Auftritt auf der Faster Stage unter dem Motto „My Years with UFO“ seiner Zeit bei den britischen Hardrockern. Im typischen Aufzug mit Fellmütze und Flying V zeigten weder der siebzigjährige Gitarrist noch zeitlose Stücke wie „Doctor Doctor“ Abnutzungsspuren. Der Höhepunkt kam, als Slash von Guns N‘ Roses für „Mother Mary“ die Bühne betrat.
Die Schweizer Hardrock-Legenden Krokus spielten bei Sonnenschein einen ihrer mitreißendsten Sets von Wacken 2025. Sänger Marc Storace war hervorragend bei Stimme, Gitarrist Fernando von Arb und Chris von Rohr zeigten trotz ihres Alters jenseits der siebzig volle Spielfreude. „Headhunter“, „Hoodoo Man“ und das Neil-Young-Cover „Rockin‘ in the Free World“ ließen keine Zweifel am Können der Eidgenossen.
Lita Ford, ehemalige Gitarristin der Runaways, brachte am Mittwoch unter anderem „Playing with Fire“ und das Ozzy-Osbourne-Duett „Close My Eyes Forever“ auf die Bühne, das von Hunderten mitgesungen wurde. Apocalyptica setzten auf ihre Mischung aus klassischen Cello-Arrangements und Metallica-Interpretationen. Dirkschneider präsentierte das Accept-Album „Balls to the Wall“ in voller Länge.
Auch die NWOBHM-Veteranen Angel Witch lieferten mit dem Titelstück und „Atlantis“ einen der vergnüglichsten Sets des Wochenendes. Die schwedischen Blues-Rocker Graveyard machten am verregneten Freitag mit dem Schluss-Höhepunkt „The Siren“ aus dem matschigen Feld kurzzeitig einen Ort voller Sehnsucht. Mastodon gaben spät ihr Wacken-Debüt und überzeugten trotz des Abgangs von Gitarrist Brent Hinds in kraftvoller Form.
„The Motherload“, „Crystal Skull“ und das Black-Sabbath-Cover „Supernaut“ zeigten eine Band, die längst nicht ans Aufhören denkt. Die schwedischen Rock-’n‘-Roller The Hellacopters feierten unterdessen den Geburtstag ihres Frontmanns Nicke Andersson mit lockerem, lässigem Garage-Rock.
Extreme Töne, deutscher Thrash und ein offenes Genre
Der härtere Flügel von Wacken 2025 kam nicht zu kurz. Dimmu Borgir kehrten zum siebten Mal nach Wacken zurück und füllten die nächtliche Harder Stage mit symphonischem Black Metal. „Mourning Palace“ und „Progenies of the Great Apocalypse“ entfalteten orchestrale Wucht, Sänger Shagrath gab den dämonischen Zeremonienmeister.
Die deutschen Thrasher von Destruction lieferten auf der Louder Stage gewohnt viel Lärm, Sänger Schmier erwies sich als bestens gelaunter Frontmann und brachte „Eternal Devastation“ und das johlend mitgesungene „Nailed to the Cross“. Die US-Industrial-Legenden Ministry zogen mitten in der Nacht mit „Thieves“, „N.W.O.“ und „Just One Fix“ alle Register, während Nailbomb mit einer Allstar-Besetzung um Max Cavalera und dessen Sohn Igor an die Intensität anknüpfte.
Die Florida-Death-Metaller Obituary passten mit ihrem sumpfigen Sound perfekt zum aufgeweichten Boden und schlossen mit „Slowly We Rot“. Der schwedische Einzelkämpfer Hellbutcher zelebrierte auf der Headbangers Stage puren, ungeschliffenen Heavy Metal mit Coverstücken von Iron Maiden, Bathory und Venom.
Dass Wacken 2025 auch andere Genres zulässt, bewies beim diesjährigen Wacken 2025 die Kölner Band BAP. Die Rockband um Wolfgang Niedecken brachte auf der Faster Stage Mundart-Klassiker wie „Verdamp lang her“, „Kristallnaach“ und „Alexandra, nit nur do“ und riss das Publikum mit.
Power Metal mit historischem Anspruch lieferten Wind Rose, deren Set mit dem Yogscast-Cover „Diggy Diggy Hole“ und einem Gastauftritt von Jörg Roth von Saltatio Mortis endete. Floor Jansen, aktuelle Sängerin von Nightwish, zeigte solo eine bemerkenswerte Bandbreite, vom ReVamp-Stück „Wolf and Dog“ bis zu „Nemo“ und ihrer eigenen Nummer „Fire“.
Die französischen Metalcore-Aufsteiger LANDMVRKS um Sänger Florent Salfati feierten ihre Ankunft auf einer der großen Bühnen wie eine Krönung, und die japanische Electronicore-Truppe Hanabie sorgte mit grellem Neon-Sound für einen der buntesten Auftritte des Wochenendes.
Nachwuchs, Wasteland und das Drumherum
Ein fester Bestandteil von Wacken 2025 war wieder der Metal Battle. Aus über 16.000 Bewerbungen aus mehr als hundert Ländern setzte sich die Schweizer Formation Thus durch und erhielt den Hauptpreis der Wacken Foundation.
Der internationale Wettbewerb brachte Bands aus Ländern wie Costa Rica, China und Kenia zusammen und zeigte einmal mehr, dass im Metal genügend Nachwuchs nachrückt. Genau hier setzen Heavysaurus an, die in Dino-Kostümen vor riesiger Menge Kindern und großen Kindern den Heavy Metal näherbringen und dabei Medleys aus „The Trooper“, „The Final Countdown“ und „Master of Puppets“ auffuhren. Der Anblick gestandener Pit-Gänger, die mit kleinen Kindern zu „Dino-Metalheads“ hüpften, gehörte zu den wärmsten Bildern des Wochenendes.
Abseits der Bühnen bot das Festival sein gewohnt breites Rahmenprogramm. Das Thema Weltall erwies sich als Publikumsmagnet: Im Space Camp gab es Ausstellungen und echtes Gerät der Europäischen Weltraumagentur, der deutsche Astronaut Alexander Gerst sprach im Pressezelt über seine Mission.
In der Wasteland Area zelebrierten die Wasteland Warriors ihre postapokalyptische Ästhetik, dort sorgten unter anderem die schottischen Spaßvögel von Party Cannon für ausgelassenes Chaos, während Mimi Barks sich für ihren Auftritt kurzerhand in die Matschpfütze vor der Bühne warf. Die kanadischen Heavy-Metal-Wiederbeleber 3 Inches of Blood kehrten nach siebzehn Jahren auf den Holy Ground zurück und trotzten dem Regen mit reichlich Pyrotechnik.
Auf der Welcome to the Jungle Stage gehörte Mambo Kurt fast schon zum Ritual. Iotunn lieferten mit Sänger Jón Aldará auf der Wackinger Stage ein Highlight für Freunde des progressiven Death Metal.
Wacken 2025: Matsch, Wege und ein durchwachsenes Fazit

Das Wetter blieb das bestimmende Element von Wacken 2025. Bereits zum Start waren die Plätze vor den Bühnen tief aufgeweicht. Zwischendurch gab es sonnige und warme Phasen, doch zum Abschluss am Samstag zog erneut Dauerregen auf, der viele Gäste schon tagsüber zur vorzeitigen Abreise bewog.
Die befestigten Wege auf dem Gelände erwiesen sich als Segen, auch wenn sie zeitweise für die schweren Absauger gesperrt wurden, die den Matsch wegpumpten. Den späten Abschluss übernahmen am Samstag die Texaner von Fit For A King, die trotz strömenden Regens und sinkender Temperaturen vor einem in Regenplanen gehüllten harten Kern bis ein Uhr nachts durchhielten.
Trotz der widrigen Bedingungen verlief Wacken 2025 erstaunlich reibungslos. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst zogen ein positives Fazit und sprachen von einem ruhigen Festival. Die Zahl der Krankentransporte lag unter dem Durchschnitt der Vorjahre. Laut Polizeidirektion Itzehoe gingen die Straftaten um rund zwanzig Prozent zurück, von 86 auf 68.
Das optimierte Verkehrs- und Anreisekonzept funktionierte, lediglich die Zugänge zu einzelnen Shuttle-Haltepunkten erwiesen sich als verbesserungswürdig, vor allem für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Unterm Strich war Wacken 2025 ein nasser, fordernder, aber starker Jahrgang. Der Rekordauftritt von Guns N‘ Roses, das eindrucksvolle Gojira-Set, der energiegeladene Machine-Head-Gig und der überraschend wuchtige Papa-Roach-Triumph setzten die Spitzen, doch erst die Breite aus Jubiläumsshows, Klassikern, extremen Tönen, Nachwuchs und Rahmenprogramm machte das Bild komplett.
Zum Abschluss kündigte Thomas Jensen bereits das Jubiläumsjahr 2026 an, unter anderem mit Def Leppard, In Flames, Sepultura, Powerwolf und Running Wild. Wer bei Wacken 2025 dabei war, nahm einen Jahrgang mit, in dem der Matsch ebenso dazugehörte wie die Musik, und freut sich trotzdem schon auf das nächste Mal.
Wacken 2026 findet unter dem Motto „Party on!“ vom 29. Juli 2026 bis zum 1. August 2026 statt. Tickets sind unter www.metaltix.com erhältlich.
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Fotocredits: Lars Peters/MusicPics



