Mit The KBCS spielte Thomas D in Hannover am 4. Oktober 2026 vor rund 450 Besuchern in der 60er-Jahre-Halle im Kulturzentrum Faust.
Knapp zwei Stunden lang verband der Rapper Songs seines aktuellen Albums „Neocortex“ mit älteren Solostücken und Musik aus anderen Bandprojekten. Dabei blieb das Konzert nicht auf ihn zugeschnitten. Gu beteiligte sich an mehreren Nummern, das Hamburger Quartett bekam einen eigenen Instrumentalauftritt. Der Applaus begleitete einen Abend, an dem persönliche Texte und das gemeinsame Musizieren nebeneinander Platz hatten.
Thomas D in Hannover: Gefühle als Thema des Abends
„Federleicht“ setzte den Ton für den Einstieg. Wie auf „Neocortex“ stand der Song auch im Konzert am Anfang. Reinhard Mey, der auf der Aufnahme den Refrain singt, war mit seiner eingespielten Stimme zu hören. Thomas D eröffnete mit aktuellem Material, statt sich zunächst auf ältere Singles zu verlassen. Das Publikum ging darauf ein und reagierte schon nach dem ersten Stück mit Jubel und Applaus.
„Ihr merkt es vielleicht schon“, sagte Thomas D, „es geht um Gefühle.“ Der 57-Jährige erzählte, er habe geglaubt, seine Gefühle seien bereits aufgebraucht gewesen, bevor er The KBCS kennengelernt habe. Diese persönliche Ansage beschrieb den Abend besser als ein großes Versprechen. Thomas D in Hannover suchte den Zugang über seine Texte und die gemeinsame Arbeit mit den Musikern, nicht über eine Abfolge der bekanntesten Songs seiner Hauptband.
Nach „Neophyta“ und „Ständige Veränderung“ führte „Liebesbrief“ zu einem älteren Solostück. Der Wechsel wirkte nicht wie eine Unterbrechung zugunsten der Vergangenheit: Persönliches blieb das Thema, während sich das Material änderte. „Nur Mut“ setzte anschließend bei der eigenen Haltung zum Leben an. Die direkte Sprache machte Thomas Ds Anliegen verständlich. Nicht jeder Gedanke musste dabei eine neue Erkenntnis sein, um beim Publikum anzukommen.
The KBCS stehen nicht nur hinter dem Rapper
Lucas Kochbeck am Schlagzeug, Nicolas Börger an den Keyboards, Lars Coelln an der Gitarre und Daniel Stritzke am Bass bilden The KBCS. Die Anfangsbuchstaben ihrer Nachnamen ergeben in dieser Reihenfolge den Bandnamen. Das Quartett bringt Jazz und Soul in die Zusammenarbeit ein. Bei Thomas D in Hannover blieben die Musiker jedoch nicht auf die Rolle einer Begleitband beschränkt, die ausschließlich den Hintergrund für seine Texte liefert.
Die gemeinsame Arbeit umfasst die „M.A.R.S. Sessions“ und deren zweite Ausgabe sowie die Liveveröffentlichung „Little Big Beat Studio Sessions“. Thomas D in Hannover stand mit einer Band auf der Bühne, mit der er wiederholt aufgenommen hatte. Die Verbindung beschränkte sich nicht auf das neue Album. „Mega D“ mit Flo Mega gehört zu diesen gemeinsamen Produktionen, deren Material an diesem Abend neben den Solostücken und Bandnummern zu hören war.
Bei „Cherokee“ in der Mitte des Programms spielte die Band allein. Thomas D setzte für das Instrumental aus. Die sonst oft entscheidende Frage, was seine Texte erzählen, stellte sich hier nicht. Stattdessen rückten die vier Musiker mit einem eigenen Stück ins Zentrum. Der Abend gewann durch diesen Wechsel, weil das Quartett sich unabhängig vom Rapper vorstellen konnte. Erst danach kehrte Thomas D wieder ans Mikrofon zurück.
Gu bringt eine zweite Stimme ins Konzert
Zuvor hatte Gu bereits bei „Mein Nachbar“ mitgewirkt. Es folgten drei zusammenhängende Stücke aus „Mega D“, dem gemeinsamen Projekt von Thomas D, Flo Mega und The KBCS. „Verdammt am Mikrofon“, „Asche zu Staub“ und „Hier, für Dich“ bildeten einen eigenen Abschnitt. In Hannover war Gu bei allen drei Nummern beteiligt. Die zweite Stimme bekam dadurch mehr Raum als bei einem Gastauftritt für einen einzelnen Refrain.
Für Thomas D in Hannover wurde Gu zu einem wiederkehrenden Partner am Mikrofon. Seine Beteiligung zog sich durch sieben der insgesamt 19 Stücke und reichte bis in die Zugabe. Dabei blieben die gemeinsamen Auftritte nicht auf „Mega D“ begrenzt. Auch bei „Crashkurs“ und später bei „Das Leben ist ein Geschenk“ sowie „Rückenwind“ war er dabei. Der Abend wechselte zwischen diesen gemeinsamen Nummern, dem Bandinstrumental und Thomas Ds Solomoment.
Von den Fantastischen Vier bis Son Goku
Nach „Cherokee“ griff Thomas D mit „Krieger“ auf das Repertoire von Die Fantastischen Vier zurück. „Gebet an den Planet“ und „Es wird Regen geben“ schlossen sich an. Die Songs seiner Hauptband bekamen ihren Platz, ohne den gesamten Abend zu bestimmen. Thomas D in Hannover stellte sie neben seine anderen Arbeiten. Die Verbindung entstand durch den Sänger und die gemeinsame Besetzung, nicht durch eine chronologische Erzählung seiner Karriere.
Mit „Mutterliebe – Vaterstolz“ und „Vom Ich zum Wir zum Wir zur Einheit“ rückten danach wieder persönliche Beziehungen und Gemeinschaft ins Zentrum. Zum Abschluss des Hauptsets folgte „Crashkurs“ aus dem Repertoire von Son Goku. Gu wirkte auch hier mit. Statt den Abend bereits nach den Liedern über Beziehungen auslaufen zu lassen, griff Thomas D noch einmal auf ein anderes Bandprojekt zurück. Das Publikum hielt seine Zustimmung über diese Wechsel hinweg aufrecht.
Thomas D in Hannover: Von „Kurz zu mir“ zu „Rückenwind“
Die Zugabe begann dagegen mit einem Solo: Thomas D trug „Kurz zu mir“ allein vor. Nach den wechselnden Konstellationen des Hauptprogramms lag die Aufmerksamkeit noch einmal bei ihm. Anschließend kam Gu für „Das Leben ist ein Geschenk“ hinzu. „Rückenwind“ beendete das Konzert mit einem älteren Solostück. Der Abschluss führte vom einzelnen Rapper zurück zum gemeinsamen Auftritt und passte dadurch zum Aufbau des Abends.
Thomas D in Hannover lebte vom Wechsel zwischen persönlicher Ansprache und dem Zusammenspiel mit anderen Musikern. Die Texte blieben direkt, die Reaktionen des Publikums durchweg zustimmend. Besonders die Beteiligung von Gu und der eigene Auftritt von The KBCS verhinderten, dass die 19 Songs zu einer bloßen Werkschau wurden. Mit dem neuen Material allein hätte sich dieser Abend nicht beschreiben lassen. Seine Form bekam er durch die unterschiedlichen Besetzungen und den Raum, den Thomas D seinen Mitmusikern überließ.



